Training und eine alte Liebe
Verfasst: Freitag 17. Oktober 2008, 13:40
Endlich finde ich in der Mittagspause hier im Rennstall Mahldorf mal Zeit, um mein Tagebuch weiter zu füllen.
Es war wieder stressig in den letzten Tagen.
Am Mittwoch war ich ja mit meinen Pferden bei der Show des SPZ Eifelstal und muss sagen sie haben nicht schlecht abgeschnitten.
Als ich dann am Nachmittag wieder zuhause war, trainierte ich noch Secret ein bisschen und longierte Run and Hide. Der hat nun endlich sein Bein auskuriert und kann langsam wieder ins Training genommen werden. Leider ist er momentan wie ein Überdruckkessel und wenn ich nicht höllisch aufpasse geht er gleich wieder lahm. Mit dem Hengst bin ich wirklich ratlos. Ich kriege seine Nervosität einfach nicht in den Griff. Vielleicht bringt ja ein homäopathisches Mittel die Lösung. Seit Red Bays Genesung schwöre ich darauf. Außerdem muss es ja etwas sein, dass nicht beim nächsten Dopingtest eine positive Probe auslöst. Das wäre ja nun wirklich nicht im Sinne des Erfinders. Ich werde mal nachher meinen Stammnaturheilkundler anrufen und mich mit ihm besprechen.
Ach ja Deway bin ich am Mittwoch dann auch noch intensiv geritten, sowie auch Tommy. Der Rappe macht mir wirklich Freude. Mit jedem Tag merke ich, dass er durchlässiger wird und meine Hilfen immer besser annimmt. Bald kann ich aus der Dressurhalle raus und mich an die ersten Sprüge mit ihm wagen. Ich reite ihn jetzt jeden Tag, damit wir beide uns richtig zusammenraufen. Ich habe das Gefühl, das braucht er. Wenn ich eines von meinen anderen Pferden mal ein paar Tage nicht reite und das Training meinen Angestellten überlasse, dann ist das nicht so tragisch, aber bei Tommy scheint das anders zu sein. Sicher kann auch Inga, Markus oder Louis mit ihm umgehen und er lässt sich auch problemlos von ihnen trainieren, aber irgendwie ist er danach jedes Mal wieder unlocker und reserviert. Also habe ich beschlossen ihn jetzt selbst intensiv vorzubereiten und meine Bereiter Tommys Training nur im Notfall übernehmen zu lassen. Jetzt habe ich schon zwei Pferde im Stall, die besser nur ich reite. Daredevil ist der zweite Kandidat. Anfangs konnte noch jeder ihn zumindest bewegen, aber mittlerweile wird er regelrecht agressiv. Neulich hat mir Markus erzählt, dass Devil sogar nach ihm getreten haben soll, als er ihn satteln wollte. Anscheinend hat der Herr sich nun vollkommen eingelebt und akzeptiert es nicht mehr, dass jemand anders als seine Bezugsperson mit ihm umgeht. Wenn ich es mit recht überlege, so habe ich mich auf Heaven Horse ja auch immer um ihn gekümmert. Er war nie in die Verlegenheit gekommen mich zu sehen und dann aber von jemand anderem geritten zu werden. Anscheinend ist das eine Situation, mit der Devil überhaupt nicht umgehen kann. Damals bei Mandy, als es mir nach dem Tod meiner Mutter so schlecht ging, hat er sich jedenfalls anständig benommen, soweit mir bekannt ist. Um ehrlich zu sein liebe ich Devil aber genau für diesen Eigensinn. Er ist einfach ein wunderbares Pferd.
Wo ich gerade so schön über Daredevil nachdenke, kann ich auch gleich mit erzählen, dass ich ihn gesern mal wieder ausgiebig spazieren gefahren habe. Das ist eine Sache, zu der ich in den letzten Wochen einfach nicht gekommen bin und umso mehr habe ich die entspannende Ausfahrt genossen. Hurricane hatte ich hinten an den Wagen als Beipferd gebunden und so zuckelten wir zu dritt gemütlich durch den Wald. Plötzlich klingelte mein Handy. Ein alter Bekannter war dran und erzählte mir von einen netten Zweijährigen Blüter, der zum Verkauf stünde, den ich mir doch mal ansehen sollte. Ich wurde natürlich sofort hellhörig, denn für gute Tipps war ich doch immer empfänglich. Es handelte sich um ein Pferd namens Syndikat.
So stand ich dann also drei Stunden später zusammen mit Christian an der Rostocker Rennbahn und sah mir den Kleinen beim Training an. Das Objekt meiner Begierde war ein Fuchs. Eigentlich ein bisschen zu stämmig für einen Vollblüter, aber mit guten Bewegungen. Extra für uns veranstalteten die Trainer mit dem Lott ein Trainigsrennen und da war klar, dass ihm bedauerlicherweise das Herz fehlte. Er lief gegen einen Zweijährigen, Vulcano, der ebenfalls zum verkauf stand, und einige Dreijährige. Syndikat kam weder bei seinem Altersgenossen mit, noch bei den Älteren und er zeigte auch nicht den geringsten Willen es überhaupt zu versuchen. Christian und ich waren uns sofort einig, dass aus ihm niemals ein erfolgreiches Rennpferd werden würde, egal wie hart und viel man ihn trainierte. Dennoch konnte ich meinen Blick nicht von ihm wenden. Er erinnerte mich an jemanden und eine Minute später sollte ich auch wissen an wen, als man seinen Vater auf die Bahn brachte. Es war meine alte Liebe Samuraj. Dazu muss ich erklären, dass dieser Hengst damals, er war drei, noch in Köln stand. Ich wollte unbedingt ein eigenes Rennpferd und hatte mich sofort in den Fuchs mit der breiten Blesse verliebt. Leider fehlten mir das Geld und auch die Beziehungen, um ihn erwerben zu können und mittlerweile, zehnjährig, hochdekoriert und mit zahlreichen Nachkommen, wäre er selbst für meinen jetzigen Kontostand definitiv zu teuer gewesen. Ich hatte die Hoffnung schon lange begraben ihn wiederzusehen, geschweige denn ihn mein Eigen nennen zu dürfen. Nun aber die Chance zu haben seinen Sohn zu kaufen, sollte ich mir eigentlich nicht entgehen lassen. Christian redete auf mich ein, wie auf ein krankes Pferd, dass der Hengst bei all seinem Aussehen, denn er hatte enorme Ähnlichkeit mit seinem Vater, nichts taugte.
Übrigends kann ich bis jetzt immer noch nicht ganz verstehen, dass ich nicht sofort darauf gekommen bin, dass Syndikat Samurajs Sohn ist. Ich hätte es eigentlich sofort erkennen müssen, auch ohne die Beiden nebeneinander zu sehen. Aber das nur mal am Rande.
Jedenfalls versuchte mich Christian davon zu überzeugen doch lieber Vulcano zu kaufen, denn der machte seinem Namen alle Ehre. Er hatte einen Endspeed wie ein Güterzug oder besser, wie ein ausbrechender Vulkan und er hatte auch den absoluten Willen jedes Duell für sich zu entscheiden. Dieses Pferd HATTE Herz und dieses Pferd WÜRDE ein tolles Rennpferd werden. Tja aber dieses Pferd war nun einmal nicht Samurajs Sohn. Dennoch dachte ich über Christians Worte nach. Es wäre schon toll ein richtig gutes Rennpferd im Stall zu haben. Der Gedanke beide zu nehmen kam mir in den Sinn, aber ich scheute mich ein bisschen, denn Vulcanos Preis war stattlich und auch Syndikat war nicht billig. Ich hatte zwar ein gut gefülltes Konto, aber wenn ich jetzt zu viel ausgab, würde ich wieder rechnen müssen. Mit gefiel eigentlich mein gutes Polster und ich wusste, dass die nächsten Bauarbeiten kommen würden. Ein solcher Hof, wie ich ihn besaß, fraß Geld, wie ein Loch ohne Boden.
Ich musste also noch einmal drüber schlafen und ließ mir beide Pferde bis Ende nächster Woche reservieren. Das war auch nur möglich, weil noch kein anderer Intressent sich gemeldet hatte.
Die ganze Rückfahrt in den Stall versuchte mich Christian zu überzeugen das mit Syndikat sein zu lassen, aber ich ließ mich nicht beeinflussen. Zwar vertraute ich auf Christians Meinung, immerhin war er ein sehr erfahrener Trainer und sozusagen mein Mentor, aber ich hoffte insgeheim dennoch, dass Syndikat vielleicht woanders gut war. Vielleicht im Springen oder in der Vielseitigkeit. Er wäre nicht das erste Rennpferd, dass dort landet. Folglich prallten Christians Worte an mir ab.
Es war wieder stressig in den letzten Tagen.
Am Mittwoch war ich ja mit meinen Pferden bei der Show des SPZ Eifelstal und muss sagen sie haben nicht schlecht abgeschnitten.
Als ich dann am Nachmittag wieder zuhause war, trainierte ich noch Secret ein bisschen und longierte Run and Hide. Der hat nun endlich sein Bein auskuriert und kann langsam wieder ins Training genommen werden. Leider ist er momentan wie ein Überdruckkessel und wenn ich nicht höllisch aufpasse geht er gleich wieder lahm. Mit dem Hengst bin ich wirklich ratlos. Ich kriege seine Nervosität einfach nicht in den Griff. Vielleicht bringt ja ein homäopathisches Mittel die Lösung. Seit Red Bays Genesung schwöre ich darauf. Außerdem muss es ja etwas sein, dass nicht beim nächsten Dopingtest eine positive Probe auslöst. Das wäre ja nun wirklich nicht im Sinne des Erfinders. Ich werde mal nachher meinen Stammnaturheilkundler anrufen und mich mit ihm besprechen.
Ach ja Deway bin ich am Mittwoch dann auch noch intensiv geritten, sowie auch Tommy. Der Rappe macht mir wirklich Freude. Mit jedem Tag merke ich, dass er durchlässiger wird und meine Hilfen immer besser annimmt. Bald kann ich aus der Dressurhalle raus und mich an die ersten Sprüge mit ihm wagen. Ich reite ihn jetzt jeden Tag, damit wir beide uns richtig zusammenraufen. Ich habe das Gefühl, das braucht er. Wenn ich eines von meinen anderen Pferden mal ein paar Tage nicht reite und das Training meinen Angestellten überlasse, dann ist das nicht so tragisch, aber bei Tommy scheint das anders zu sein. Sicher kann auch Inga, Markus oder Louis mit ihm umgehen und er lässt sich auch problemlos von ihnen trainieren, aber irgendwie ist er danach jedes Mal wieder unlocker und reserviert. Also habe ich beschlossen ihn jetzt selbst intensiv vorzubereiten und meine Bereiter Tommys Training nur im Notfall übernehmen zu lassen. Jetzt habe ich schon zwei Pferde im Stall, die besser nur ich reite. Daredevil ist der zweite Kandidat. Anfangs konnte noch jeder ihn zumindest bewegen, aber mittlerweile wird er regelrecht agressiv. Neulich hat mir Markus erzählt, dass Devil sogar nach ihm getreten haben soll, als er ihn satteln wollte. Anscheinend hat der Herr sich nun vollkommen eingelebt und akzeptiert es nicht mehr, dass jemand anders als seine Bezugsperson mit ihm umgeht. Wenn ich es mit recht überlege, so habe ich mich auf Heaven Horse ja auch immer um ihn gekümmert. Er war nie in die Verlegenheit gekommen mich zu sehen und dann aber von jemand anderem geritten zu werden. Anscheinend ist das eine Situation, mit der Devil überhaupt nicht umgehen kann. Damals bei Mandy, als es mir nach dem Tod meiner Mutter so schlecht ging, hat er sich jedenfalls anständig benommen, soweit mir bekannt ist. Um ehrlich zu sein liebe ich Devil aber genau für diesen Eigensinn. Er ist einfach ein wunderbares Pferd.
Wo ich gerade so schön über Daredevil nachdenke, kann ich auch gleich mit erzählen, dass ich ihn gesern mal wieder ausgiebig spazieren gefahren habe. Das ist eine Sache, zu der ich in den letzten Wochen einfach nicht gekommen bin und umso mehr habe ich die entspannende Ausfahrt genossen. Hurricane hatte ich hinten an den Wagen als Beipferd gebunden und so zuckelten wir zu dritt gemütlich durch den Wald. Plötzlich klingelte mein Handy. Ein alter Bekannter war dran und erzählte mir von einen netten Zweijährigen Blüter, der zum Verkauf stünde, den ich mir doch mal ansehen sollte. Ich wurde natürlich sofort hellhörig, denn für gute Tipps war ich doch immer empfänglich. Es handelte sich um ein Pferd namens Syndikat.
So stand ich dann also drei Stunden später zusammen mit Christian an der Rostocker Rennbahn und sah mir den Kleinen beim Training an. Das Objekt meiner Begierde war ein Fuchs. Eigentlich ein bisschen zu stämmig für einen Vollblüter, aber mit guten Bewegungen. Extra für uns veranstalteten die Trainer mit dem Lott ein Trainigsrennen und da war klar, dass ihm bedauerlicherweise das Herz fehlte. Er lief gegen einen Zweijährigen, Vulcano, der ebenfalls zum verkauf stand, und einige Dreijährige. Syndikat kam weder bei seinem Altersgenossen mit, noch bei den Älteren und er zeigte auch nicht den geringsten Willen es überhaupt zu versuchen. Christian und ich waren uns sofort einig, dass aus ihm niemals ein erfolgreiches Rennpferd werden würde, egal wie hart und viel man ihn trainierte. Dennoch konnte ich meinen Blick nicht von ihm wenden. Er erinnerte mich an jemanden und eine Minute später sollte ich auch wissen an wen, als man seinen Vater auf die Bahn brachte. Es war meine alte Liebe Samuraj. Dazu muss ich erklären, dass dieser Hengst damals, er war drei, noch in Köln stand. Ich wollte unbedingt ein eigenes Rennpferd und hatte mich sofort in den Fuchs mit der breiten Blesse verliebt. Leider fehlten mir das Geld und auch die Beziehungen, um ihn erwerben zu können und mittlerweile, zehnjährig, hochdekoriert und mit zahlreichen Nachkommen, wäre er selbst für meinen jetzigen Kontostand definitiv zu teuer gewesen. Ich hatte die Hoffnung schon lange begraben ihn wiederzusehen, geschweige denn ihn mein Eigen nennen zu dürfen. Nun aber die Chance zu haben seinen Sohn zu kaufen, sollte ich mir eigentlich nicht entgehen lassen. Christian redete auf mich ein, wie auf ein krankes Pferd, dass der Hengst bei all seinem Aussehen, denn er hatte enorme Ähnlichkeit mit seinem Vater, nichts taugte.
Übrigends kann ich bis jetzt immer noch nicht ganz verstehen, dass ich nicht sofort darauf gekommen bin, dass Syndikat Samurajs Sohn ist. Ich hätte es eigentlich sofort erkennen müssen, auch ohne die Beiden nebeneinander zu sehen. Aber das nur mal am Rande.
Jedenfalls versuchte mich Christian davon zu überzeugen doch lieber Vulcano zu kaufen, denn der machte seinem Namen alle Ehre. Er hatte einen Endspeed wie ein Güterzug oder besser, wie ein ausbrechender Vulkan und er hatte auch den absoluten Willen jedes Duell für sich zu entscheiden. Dieses Pferd HATTE Herz und dieses Pferd WÜRDE ein tolles Rennpferd werden. Tja aber dieses Pferd war nun einmal nicht Samurajs Sohn. Dennoch dachte ich über Christians Worte nach. Es wäre schon toll ein richtig gutes Rennpferd im Stall zu haben. Der Gedanke beide zu nehmen kam mir in den Sinn, aber ich scheute mich ein bisschen, denn Vulcanos Preis war stattlich und auch Syndikat war nicht billig. Ich hatte zwar ein gut gefülltes Konto, aber wenn ich jetzt zu viel ausgab, würde ich wieder rechnen müssen. Mit gefiel eigentlich mein gutes Polster und ich wusste, dass die nächsten Bauarbeiten kommen würden. Ein solcher Hof, wie ich ihn besaß, fraß Geld, wie ein Loch ohne Boden.
Ich musste also noch einmal drüber schlafen und ließ mir beide Pferde bis Ende nächster Woche reservieren. Das war auch nur möglich, weil noch kein anderer Intressent sich gemeldet hatte.
Die ganze Rückfahrt in den Stall versuchte mich Christian zu überzeugen das mit Syndikat sein zu lassen, aber ich ließ mich nicht beeinflussen. Zwar vertraute ich auf Christians Meinung, immerhin war er ein sehr erfahrener Trainer und sozusagen mein Mentor, aber ich hoffte insgeheim dennoch, dass Syndikat vielleicht woanders gut war. Vielleicht im Springen oder in der Vielseitigkeit. Er wäre nicht das erste Rennpferd, dass dort landet. Folglich prallten Christians Worte an mir ab.