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Das Turnier am Wochenende ist sehr gut gelaufen und ich bin mit allen meinen Jungs sehr zufrieden. Die Rückfahrt allerdings war weniger erfreulich. Die Straßen waren dicht und so standen wir stundenlang im Stau. Ich ließ meinen Blick schweifen und hängen blieb er an einem Pferdemarkt. Obwohl man das eigentlich nicht hätte Pferdemarkt nennen dürfen. Es war eher ein Umschlagplatz für Schlachtpferde. Niemals hätte ich es geglaubt, hätte man mir vorher gesagt, dass es so etwas in Deutschland gibt. Die Tiere waren alle samt in einem erbarmungswürdigen Zustand. Viele lahmten oder hatten Wunden oder Ekzeme. Dicke Beine und abgefressenes Langhaar waren ebenfalls häufig zu beobachten. Die Tiere waren an Pflöcke angebunden und hatten Strickhalfter um. Keiner kümmerte sich um Wasser oder Futter. Viele ließen die Köpfe hängen und konnten sich kaum auf den Beinen halten. Kurz ich war schockiert. Robert besänftigte mich und redete mir den Wunsch aus da hinzugehen und Theater zu machen. Ich wollte eigentlich den Amtstierarzt holen oder die Polizei, aber mein "weiser" Pferdepfleger meinte wir sollten uns da raushalten und eigentlich hatte er auch Recht. Zwar angagiere ich mich für den Tierschutz, aber man kann nun mal nicht allen helfen. Nicht, dass es diese Pferde nicht wert gewesen wären, aber leider sieht die Rechtslage bescheiden aus. Dann kommt dazu noch das Problem, dass man ja auch einen Platz haben müsste, wo die Tiere dauerhaft hinkönnen, wenn der Amtstierarzt den Laden dicht macht und dann plötzlich niemnd weiß wo hin mit den Pferden. Platz hätte ich genug, aber um ehrlich zu sein wollte ich mir keine kranken Pferde ins Haus holen, die mir dann meine Eigenen anstecken. In sofern war Roberts Haltung nur zu verständlich. Er wusste, dass ich nicht hätte einfach fahren können, wenn es darum gegangen wäre die Pferde irgendwo unterzubringen. Wir waren schon fast vorbei an dem Markt und ich hatte mich auch eigentlich bemüht woanders hinzusehen, als mein Blick dann doch auf drei Ponys fiel. Sie waren, anders, als die meisten anderen Pferde, noch recht agil und warfen ihre Köpfe ungeduldig in die Höhe. Sie waren alle drei gescheckt, doch ihr Fell war struppig und glanzlos. Robert redete auf mich ein, als er meinen Blick sah, ich solle es lassen, doch es war um mich geschehen. Mit der Ahnung, was mit den Dreien passieren würde, wenn ich weiterfuhr, scherte ich aus und fuhr den Transporter auf dem schmalen Weg Richtung Parkplatz. Ich stieg aus und ging vorbei an den stinkenden und verschlammten Tieren und suchte nach den drei Ponys. Zum Glück hatte ich sie schnell ausfindig gemacht und sah sie mir aus der Nähe an. Sie schienen trotz ihres räudigen Aussehens nicht ernstlich krank zu sein. Ein dicker, grimmig aussehender Kerl kam auf mich zu, als ich gerade einem der Braunschecken ins Maul sah. Normalerweise hätte ich so einen Typen nicht auf drei Meter in meine Nähe gelassen, doch jetzt musste ich. Er schnauzte mich an, was ich an seinen wortwörtlich Gäulen zu suchen hätte und wurde erst ölig, freundlich, als ich ihm mitteilte ich wolle sie erwerben. Robert war, trotz seiner Einwände dennoch so freundlich und trabte mir alle drei vor. Wir machten Beugeproben bei den Wallachen und sahen uns ihre Papiere mehr als genau an. Danach waren alle Impfungen vollständig und sie hatten auch keine Gewährsmängel. Soweit wir es feststellen konnten, waren sie alle drei in erstaunlich gutem Zustand. Außer ein bisschen Futter fehlte ihnen nichts. Der Typ wollte tatsächlich 5.000€ für alle zusammen haben. Sicher hätte ich das Geld gehabt, wusste aber auch, dass er vom Schlachter maximal 300€ pro Pferd bekommen würde und diesen dreckigen Säufer wollte ich unter keinen Umständen unterstützen und schon gar nicht wollte ich mich von ihm über den Tisch ziehen lassen. So bot ich ihm 1.000€. Er schaute mich schel an und es bedurfte einiger Diskussionen und einer kleinen Drohung mit dem Amtstierarzt, dass er einwilligte, aber letzendlich war der Handel perfekt und ich nahm die Drei mit nachhause. Beim Verladen achteten wir peinlichst genau darauf, dass genug Raum zwischen meinen drei Jungs und den Ponys war. Ich wollte sie erst von meinem Tierarzt untersuchen lssen, bevor ich ein Risiko einging und sie mit meinen Turnierpferden zusammenbrachte. Ewig lange dauerte die restliche Fahrt noch, denn in der Zeit, in der ich die Pferde erworben hatte, hatte sich der Stau noch immer nicht aufgelöst. Die drei Ponys machten hinten ziemlichen Radau und wir mussten alle paar Kilometer anhalten, um nach ihnen zu sehen. Da Vinci war, als wir dann endlich am Abend auf den Hof fuhren, schon ganz kirre und stieg beinahe, als wir ihn abluden. Die Ponys ließen wir zunächst noch im Transporter und steckten ein Areal auf Weide 3 ab, wo sie zwar laufen, aber wir sie bei Bedarf recht schnell fangen konnten. Weide 3 ist nun also erst einmal Karantänestation. Zum Glück kam der Tierarzt sehr schnell, ich hatte ihn ja schon auf der Fahrt angerufen, und sah sich die Drei noch einmal genau an. Zum Glück konnte er nichts Ansteckendes feststellen, außer Milben. Deway, da Vinci und Stand my Ground ließ ich vorsorglich auch gleich mit einem Spoton behandeln, um kein Risiko einzugehen. Zwar ist die Chance mehr als gering, dass sie sich in der kurzen Zeit und ohne direkten Kontakt angesteckt hatten, aber dennoch wollte ich auf Nummer sicher gehen. Ansonsten würden die nächsten Tage zeigen, ob mit den Ponys alles in Ordnung war. Krankheiten würden durch den Stress jetzt garantiert ausbrechen. Nachdem wir die Ponys in ihr abgegrenztes Terrain gestellt und die drei Jungs in ihre Boxen gebracht hatten, gingen wir alle erschöpft ins Bett. Ich für meinen Teil, konnte nicht schlafen. Die Bilder dieses Marktes verfolgten mich und als ich dann irgendwann doch eingeschlafen war, fragte mich ein Halflinger empört, warum ich ihn nicht auch mitgenommen hatte. Schweißgebadet wachte ich auf und sah auf die Uhr. Es war um vier. Noch so einen Traum wollte ich nicht. Also stand ich auf, duschte und ging zu meinen Jungs in den Stall. Das vertraute Wiehern beruhigte mich und ich legte mich bei Pearl in die Box. Als ich wieder aufwachte, schien schon die Sonne und im Stall herrschte geschäftiges Treiben. Ina sattelte gerade Cosmo, unser Gastpferd, dass zur Ausbildung hier ist und die Pfleger misteten. Ich streckte mich, drückte Pearl und verließ seine Box.
To be continued ...
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